Heimatblatt Nr. 065

Titelbild

Plakat zur Tagung Geschichtsrezeption im 19. Jahrhundert.

Inhaltsverzeichnis

  • Impressum
  • ln eigener Sache
  • Es stand in der Zeitung
  • Leben eines Bacharacher Eisenbahners (in den 30er Jahren) (Heinz Hoffmann) Leseprobe
  • Weg zu neuer Quellenbasis mittelal. Geschichte Viertäler & Kaub (Max Grund) Leseprobe
  • Korrektur zu letztem Heimatblatt
  • "Männergesangverein 1825 Steeg" - ein Rückblick (Walter Zahn) Leseprobe
  • Kurt Gerstein (1905-1945) - Widerstand in SS-Uniform (Teil 1) (Gerd Laudert)

Leseprobe

Leseprobe  Leben eines Bacharacher Eisenbahners (in den 30er Jahren) (Heinz Hoffmann)

Am 22.06.1883 erblickte der zukünftige Reichsbahner in Langscheid, einem kleinen Hunsrückdorf in der Nähe von Bacharach, das Licht der Welt. Im Kindbett starb seine Mutter. Nikela, sein zukünftiger Dorfname, wurde erzogen von seiner guten Stiefmutter und erlebte seine Jugend in einer Bauernfa-milie, zusammen mit seiner älteren Schwes-ter und sechs Kindern aus der zweiten Ehe seines Vaters. Nikela besuchte die achtzü-gige Dorfschule. Er wurde mit einem Zeug-nis entlassen, das keine Note unter "gut" enthielt. Was nun? Damals, um 1900, gab es am Mittelrhein au-ßer bei einigen Weingutsbesitzern, Schiefer- und Erzgruben kaum Arbeitsplätze. Nikela blieb trotzdem, im Gegensatz zu all seinen Brüdern, die später ins Niederland (Ruhrpott) gingen und dort Arbeit suchten, zu Hause. Er heuerte bei der "Grube Rhein", einer Schiefergrube gegenüber von Kaub an und wurde Bergarbeiter. Um sein berufliches Fortkommen zu verbessern, wechselte er dann den Arbeitsplatz und fing am 2. November 1906 bei der preußischen Staatseisenbahn als Bahnunterhaltungsarbeiter an. Er sollte sein Leben lang Eisenbahner bleiben. Stationsort war vorerst

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Leseprobe  Weg zu neuer Quellenbasis mittelal. Geschichte Viertäler & Kaub (Max Grund)

Es gehört zu einem der gängigsten Themen der Forschung zum oberen Mittelrhein: das Lamento über die vielen verlorenen Ar-chive, die verstreuten Quellen, ja, die dürf-tige Quellenlage als solche. Und ganz an den Haaren herbeigezogen ist dies natürlich auch nicht. Gerade die Stadt Bacharach, aber auch die anderen Orte des Viertälerge-biets, sind hierfür ein Beispiel. In jedem der vier Orte nahm die historische Überliefe-rung über die Jahre mehr oder weniger gro-ßen Schaden. Ganz besonders ist hiervon die mittelalterliche Überlieferung betroffen. Sowohl abbrennende Rathäuser als auch ab-gebrannte Kirchen trugen dazu bei, waren letztere doch ebenfalls ein beliebter Ort zur Aufbewahrung kommunaler Schriftlichkeit. Bacharach und das Viertälergebiet befinden sich damit in bester Gesellschaft.1 Auch Oberwesel und Boppard haben mit ähnli-chen Überlieferungsproblemen in Hinblick auf die mittelalterliche Überlieferung zu kämpfen. Selbiges gilt bis zu einem gewis-sen Grad auch für St. Goar, stärker aber noch für St. Goarshausen, Rüdesheim und Bingen. Einzige Ausnahme im Rheintal ist vielleicht Kaub, in welchem sich neben Ur-kunden auch einige dünnere Stadtbücher er-halten haben..

Leseprobe  "Männergesangverein 1825 Steeg" - ein Rückblick (Walter Zahn)

Nach den Wirren der französischen Revolu-tion wurde unsere Region als Rheinprovinz dem preußischen Staat eingegliedert. Diese Zeit war geprägt von einem starken wirt-schaftlichen Aufschwung, der den Bürgern auch ihr Selbstbewusstsein zurückgab. Die-sem Gefühl und den freiheitlichen Idealen gaben sie in ihren Liedern Ausdruck. Gegründet wurde der Steeger Männerge-sangverein im Jahr 1825 durch Franz Chris-tian Dillenberger (1786-1876), Lehrer zu Steeg. Schon dessen Großvater, Johann Heinrich Dillenberger, geboren im Jahr 1714, kam 1740 aus Kaub als Lehrer und Organist nach Steeg. Hier heiratete er am 12. November 1743 Catharina Elisabeth Draysen. Von den zehn Kindern, die zur Welt kamen, trat das dritte, Johann, in die Fußstapfen des Vaters und trat die Nachfolge seines Vaters als Lehrer in Steeg an. Auch dieser heiratete im Jahr 1777 in Steeg und bekam mit seiner Ehefrau acht Kinder. Das vierte Kind Franz Christian wurde am 21. August 1786 gebo-ren. Auch dieser Sohn folgte seinem Vater Johann Dillenberger nach dessen Tod im Jahre 1810 als Lehrer und Organist in der Gemeinde Steeg. Franz Christian hatte al-lerdings kein Lehrerseminar besucht, son-dern bekam seine Ausbildung bei seinem Vater und soll im musikalischen Bereich seinen Nachbarkollegen überlegen gewesen sein. Des weiteren lehrte er die Kinder au-ßer Lesen, Rechnen, Schreiben und Gesang noch Geographie, preußische Geschichte und Naturkunde. 1855 wurde Franz Chris-tian Dillenberger pensioniert. Es ist anzunehmen, dass die Sänger schon vor dem Gründungsjahr in loser Form des Sonntags in der Kirche sangen. Dillenber-ger selbst bearbeitete viele geistliche Lie-der, setzte sie vierstimmig und ließ sie für den Männerchor bei dem Mainzer Verlag Schott Söhne drucken.

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