Heimatblatt Nr. 067

Titelbild

Marktplatz Bacharach

Inhaltsverzeichnis

  • Impressum
  • ln eigener Sache
  • Es stand in der Zeitung
  • Hinweise auf den Wegebau im Steeg des frühen 16. Jahrhunderts (Max Grund) Leseprobe
  • Schutzpatron der Kurpfalz und St. Josefs-Kapelle in Bacharach (Christian Binz) Leseprobe
  • Traueranzeige
  • Bergrennen in Steeg (Dagmar Aversano-Schreiber)
  • Leseprobe
  • Bilder Fastnacht, Kirmes und Mandolinenchor
  • Starkregen im Heimbachtal 1878 (Christian Binz)

Leseprobe

Leseprobe  Hinweise auf den Wegebau im Steeg des frühen 16. Jahrhunderts (Max Grund)

Wege umgeben uns allerorten. Ob sie nur Trampelpfade oder robust ausgebaute Stra-ßen sind, ohne Wege wäre unser Fortkom-men deutlich erschwert. Im Mittelrheintal treten die Abhängigkeiten vom Wegenetz ganz besonders stark vor Augen. Die Hauptverkehrsader verläuft seit jeher ent-lang des Rheins auf seinen schmalen Ufer-terrassen. Die Wege hinauf auf die Hoch-terrassen und in den Hunsrück sind eher ge-ring in der Zahl und aufwendig zu unterhal-ten. Der große Höhenunterschied erforderte für den Automobilverkehr die Anlage kunstvoller Serpentinen und auch in der Vormoderne mussten einige zusätzliche Ochsen oder Pferde vorgespannt werden, um entlang der Seitentäler hinauf auf die Hochterrassen zu kommen. Andernorts bil-deten sich auf diesen Wegtrassen beeindru-ckende Hohlwege aus. Am Mittelrhein ist dies durch den extrem widerstandsfähigen Untergrund fast nie der Fall. Auf der Höhe angekommen, fanden diese Wege auf links-rheinischer Seite Anschluss an die auf den Hunsrückhöhen verlaufende Landstraße zwischen Koblenz und Bingen, welche laut Otto Volk von Pfalzfeld kommend über Laudert und Kisselbach weiter nach Liebs-hausen und Dichtelbach verlief.1 Ange-sichts der Mühen erstaunt es daher nur we-nig, dass die steilen Verbindungsstraßen zwischen Rheintal und Hochterrassen vom Fernverkehr tendenziell eher gemieden und vor allem für den alltäglichen Austausch ge-nutzt wurden. Auch in den Weinbergen des Viertälergebietes finden sich wohl schon von jeher Wege, welche der Bewirtschaf-tung der Weinberge dienten. Abgewasche-nes Erdreich und Mist mussten hinauf und die Ernte im Herbst hinab geführt werden. Wo es sich anbot, nutzte man hierfür einfa-che Wagen. Noch heute sind Wegerechte nicht selten Anlass für Nachbarschaftsstrei-tigkeiten und langwierige Gerichtsprozesse, in denen dann Grundbücher und Kataster-ämter bemüht werden müssen. Denn viele der heute noch aktuellen Wegerechte sind bereits viele Jahrzehnte oder gar Jahrhun-derte alt und haften fest an den betreffenden Grundstücken.

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Leseprobe  Schutzpatron der Kurpfalz und St. Josefs-Kapelle in Bacharach (Christian Binz)

In Bacharach gibt es in der Oberstraße eine Josefskapelle. Doch, wieso gerade Josef? Die älteren Kirchen der Gegend haben an-dere Patrozinien. Hier am Mittelrhein be-gegnen uns bei alten Gotteshäusern sehr häufig Martinskirchen und -kapellen (so in Bingen, Lorch, Oberwesel, Braubach, Oberlahnstein). Friedhofskapellen waren meist dem Heiligen Michael geweiht (z.B. Trechtingshausen, Bacharach, Oberwesel) und Spitalskapellen dem Heiligen Geist (Bacharach, Oberwesel, Boppard). Josef begegnet uns erst später als Kirchenpatron.

Leseprobe  Bergrennen in Steeg (Dagmar Aversano-Schreiber)

Im Jahr 1908 richtete sich die Aufmerksam-keit der Welt für einen kurzen Augenblick auf den kleinen Ort Steeg, der bei der Ent-wicklung des modernen Automobils eine Rolle spielen würde. Es war die Großherzogin Anastasia von Mecklenburg-Schwerin, die in Frankreich ihre Liebe fürs Autofahren entdeckte und bei Hofe dafür warb. So wurde 1899 in Ber-lin der Deutsche Automobilclub gegründet, dessen Ziel es war, den Automobilsport in Deutschland zu stärken. Zu den berühmtes-ten Förderern gehörten Kaiser Wilhelm II. und sein jüngerer Bruder, Prinz Heinrich von Preußen. Im Juni 1904 wurde dem DAC die Ausrichtung des international be-deutsamen Gordon-Bennett-Rennens in Homburg vor der Höhe im Taunus übertra-gen, das sehr erfolgreich verlief. Den Kaiser ernannte man im Anschluss zum Ehrenmit-glied und aus dem DAC wurde der Kaiser-liche Automobilclub, aus dem sich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs der Auto-mobilclub von Deutschland entwickelte. Der Gordon-Bennett-Cup war eine jährlich von 1900 bis 1905 stattfindende Motor-sportveranstaltung und der erste internatio-nale Leistungsvergleich zwischen verschie-denen Automobilmarken. Initiator war der Amerikaner James Gordon Bennett junior, der von seinem Vater den Zeitungsverlag New York Herald geerbt hatte. Um die Auf-lage seiner Zeitung zu erhöhen, richtete er Expeditionen aus mit dem Auftrag, David Livingstone - einen Arzt auf der Suche nach den Quellen des Nil - zu finden sowie den Spuren der verschollenen Franklin-Expedi-tion nachzuspüren, beides mit Erfolg. Die Expedition der USS Jeannette auf der Suche nach der Vega nahm allerdings auf dem Weg zum Nordpol ein dramatisches Ende, als das Schiff im Eis versank und mehr als die Hälfte der Besatzung nach langem Kampf und Irrfahrten verhungerte. Später gab Bennett noch die International Herald Tribune heraus und heiratete im hohen Alter die Baroness de Reuter, deren in Kassel ge-borener Vater, Paul-Julius Reuter, den Nachrichtendienst Reuters aufgebaut hatte. Bennett war ebenso umtriebig wie sportbe-geistert. Neben dem Motorsport interes-sierte er sich auch für Regatta und Ballon-fahren. Der Cup wurde nach 1905 vom Grand Prix abgelöst. Im selben Jahr regte der Maler, Bildhauer und Regisseur, Hubert von Herkomer, eine Tourenwagen-Rallye in Deutschland an und sponserte sie. Doch schon bald sollte er Konkurrenz bekommen. Prinz Heinrich trat mit 15 Jahren in die Kai-serliche Marine ein und kommandierte im Verlauf seiner Karriere Kriegsschiffe, Tor-pedoboote und die kaiserliche Yacht Ho-henzollern. Er wurde Chef der Hochsee-flotte, Oberbefehlshaber der Ostseestreit-kräfte und Großadmiral. Heinrich war an Technik und Sport sehr interessiert. Er un-terstützte die Entwicklung von U-Booten, Flugzeugen und erwarb selbst den Piloten-schein. Als begeisterter Rennfahrer stiftete er einen Tourenwagen-Wettbewerb, die so-genannten Prinz-Heinrich-Fahrten, die zwi-schen 1908 und 1910 ausgetragen und vom KAC veranstaltet wurden. Er nahm an allen Fahrten persönlich teil.